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Gospelkirchentag 9.-11.9.2016 Teil 2 – Die Eröffnungsveranstaltung

© Creative KircheUm 17 Uhr soll die zentrale Eröffnungsfeier des 8. Inter-nationalen Gospelkirchentages beginnen. Zum Braunschweiger Schlossplatz sind es von unserem Hotel aus nur wenige Minuten zu Fuß. Bei herrlichem Sommerwetter erreichen wir den Veranstaltungsort vor den Schlossarkaden, dem großen Braunschweiger Einkaufszentrum. Dieses sieht aus wie ein Schloss, doch es handelt sich nur um eine rekonstruierte Scheinfassade.

© trainarchivator Festivalplatz vor den Schlossarkaden

Das erste Residenzschloss von 1717 brannte 1830 ab, das zweite Schloss wurde im Zweiten Weltkrieg durch Luftangriffe schwer beschädigt und 1960 abgerissen ab (ein in Westdeutschland einmaliger Vorgang). Jahrzehnte bestand auf der Fläche ein Park, bevor dort ab 2005 ein neues Hybridgebäude entstand, das ein großes Einkaufszentrum beherbergt und einen Teil des zweiten Schlosses optisch rekonstruiert. Dieser Teil wird kulturell genutzt. Dort sind u.a. die Stadtbibliothek und das Schlossmuseum untergebracht. (©Infos aus WIKIPEDIA)

CC BY-SA 3.0Schlossneubau Jun 2006   (CC BY-SA 3.0)

Auf der Bühne ist schon etwas los. Der „Gospelchor Braunschweig“ unter Leitung von Eggo Fuhrmann bestreitet den Auftakt und hat die Aufgabe das Publikum in Stimmung zu bringen. Das gelingt prima, zumal das Publikum sehr aufgeschlossen ist. Der Platz ist schon ordentlich gefüllt, doch viele Besucher sind noch im Anmarsch.

© Creative KircheDer Gospelchor Braunschweig sorgt für einen gelungenen Auftakt
© Karsten Socher/Creative Kirche

© trainarchivatorDer Platz füllt sich beim Auftritt des ersten Chores

© trainarchivatorRund um den Platz sind Zelte aufgebaut, in denen der Markt der Möglichkeiten seine Angebote präsentiert. Kirchliche und weltliche Anbieter präsentieren sich und ihre Angebote, wobei es immer um Werte geht, die durch den Gospelkirchentag gefördert werden sollen. Es geht um fairen Handel, Solidarität mit der Dritten Welt, Umweltschutz und nachhaltige Produktions-bedingungen. So ist es nur logisch, dass Fair-Trade-Produkte im Angebot sind oder sich Brot für die Welt präsentiert. Außerdem kann man sich den aktuellen Gospelschal besorgen oder mit CDs und Noten eindecken.

Unerwartet steht Matthias Kleiböhmer vor uns, der bei der Creativen Kirche als Mitveranstalter (neben der Ev-luth. Landeskirche Braunschweig) für die Organisation des Gospelkirchentags verantwortlich ist. Wetten, dass er in diesem Moment aufgeregt ist und sich fragt, ob alles so läuft wie geplant und gewünscht? Beim Smalltalk ist bei allen die Vorfreude spürbar.
http://www.creative-kirche.de/

© trainarchivatorKurzes Hallo mit Matthias Kleiböhmer

© trainarchivatorEndlich Gospelkirchentag – viele sehen’s wie unser „Boss“

Nachdem der Gospelchor Braunschweig seinen Auftritt beendet hat, erfolgt die offizielle Gospelkirchentagseröffnung und die Begrüßung der Gäste. Bischof Christoph Meyns und der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil werden von einem Moderator interviewt, heißen die Gäste zum Gospelkirchentag willkommen und äußern sich zu Ihrer Beziehung zur Gospelmusik.

© trainarchivatorBischof Christoph Meyns und der niedersächs. Ministerpräsident Stephan Weil

Auf einmal sind sie da! Merkwürdige Gestalten mischen sich unter die vielen Besucher, machen Faxen und dienen als Fotomotiv. Es sind die Gospelmännchen, die man bisher nur vom Gospelkirchentagslogo und den Gospelschals kannte. Jetzt können sie sich vor Selfie-Wünschen kaum retten. Sie machen alles mit – gehört wohl zur Arbeitsplatzbeschreibung. Ob das ein Traumjob ist, bei den hochsommerlichen Temperaturen?

© trainarchivatorDie Gospelmännchen – vom Logo in die Wirklichkeit

Weiter geht es mit Musik. „Undivided“ aus den USA betreten die Bühne. Vielen ist die A-capella-Gruppe bekannt. Da sind Könner am Werk, das merkt man gleich. Die Stimmung ist sowieso bestens, man hört zu und tanzt teilweise schon. Weitere Ankömmlinge werden begrüßt oder man besorgt sich ein Kaltgetränk. Am Ende des Auftritts werden die Sänger vorgestellt, und angesichts ihrer z.T. spanisch-sprachigen Herkunftsländer wird der letzte Song in Spanisch gesungen – für Gospel ungewohnt aber reizvoll.
www.youtube.com/watch?v=2iOzZxGWOHI

© trainarchivator   „Undivided“ – ein Highlight der Eröffnungsveranstaltung

© trainarchivatorGesprächsrunde mit Pröpstin Uta Hirschler und Bürgermeister Ulrich Markurth

Gegen 19 Uhr steht jetzt mit dem „Chor der Nationen“ ein ganz besonderes Projekt auf dem Programm. Gut 50 Braunschweiger Jugendliche der Klassen 5 bis 10 haben einen gemeinsamen Auftritt mit Cassandra Steen. Dabei vertreten sie verschiedenste Nationen, aus denen ihre Familien stammen oder für die sie Sympathien haben. Unter Leitung von Gerd-Peter Münden, Leiter der Domsingschule Braunschweig, haben die Jugendlichen ein Programm einstudiert. Höhepunkt ist Steens Hit „Ich bau ’ne Stadt für dich“, den viele Besucher textsicher mitsingen, was für die Jugendlichen sicher ein tolles Erlebnis ist. Das ganze Projekt soll ein Zeichen setzen für ein buntes Braunschweig, das Heimat von Menschen unterschiedlicher Herkunft ist.
www.youtube.com/watch?v=65_vjKKhWQo&list=PLStCpPlpPtNgYbOua1ZZYBRturUjcZWVm&index=3

© trainarchivatorJugendliche in T-Shirts mit Flaggen ihrer Herkunfts- oder Sympathieländer

Mit den „Soulteens Langenberg“ stehen im Anschluss erneut Jugendliche auf der Bühne. Im Gegensatz zum Chor der Nationen, für die alles neu war, merkt man diesen SängerInnen ihre größere Bühnenerfahrung an. Keck, selbstbewusst und originell zeigen sie den überraschten Zuhörern, was sie drauf haben – eine ganze Menge, was mit begeistertem Applaus belohnt wird.

© trainarchivatorDie „Soulteens Langenfeld“ zeigen den alten Hasen wie’s geht

Zum Abschluss der Eröffnungsveranstaltung kommen Joakim Arenius und „Praise Unit“ aus Schweden auf die Bühne. Sie bieten tanzbare Gospelsongs in verschiedenen Facetten aktueller Popmusik. Der Funke springt schnell über, zumal alle anderen Formationen gute Vorarbeit geleistet haben.

© Creative KircheJoakim Arenius und mit Praise Unit geben richtig Gas   © Creative Kirche

Den Auftritt können wir nicht bis zum Ende miterleben, denn gleich beginnt die Gospelnacht mit einem eigenen Auftritt in der St.Martinikirche. Wir machen uns rechtzeitig auf den Weg – sozusagen von einem Highlight zum nächsten.

Teil 3 folgt.

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Gospelkirchentag 9.-11.9.2016 – wir kommen

© Creative KircheGleich geht es los. Wir sitzen „auf gepackten Koffern“. In wenigen Minuten begeben wir uns zum Bahnhof, um uns nach Braunschweig aufzumachen. Mit im Gepäck Vorfreude und Spannung darauf, was uns wohl erwarten wird. Auf jeden Fall ist das Programmheft voll mit Angeboten für jeden Geschmack – Wir müssen nur auswählen. Und singen, singen , singen. Heute Abend in der Gospelnacht haben wir unter dem Namen WeST – We sing together! sogar einen eigenen Auftritt in der St.Martinikirche, einer großen Stadtkirche. Also los, mein „Taxidienst“ zum Bahnhof kommt gleich…

© Creative KircheVolles Programm für Gospelfreunde   © Creative Kirche

Gospelkirchentag 9.-11.9.2016 in Braunschweig ruft

© Creative KircheDie Ev.-lutherische Landeskirche Braunschweig lädt in Kooperation mit der Stiftung Creative Kirche und anderen zum 8. Internationalen Gospelkirchentag ein. Viele Gospeltrainer werden dem Ruf folgen, um sich das reichhaltige Programm rund um das Thema Gospel nicht entgehen zu lassen.
www.gospelkirchentag.de

© Sebastian WewerAm Freitag werden wir nach der Open-Air-Eröffnungsveranstaltung in der anschlie-ßenden Gospelnacht einen eigenen Auftritt haben. Wie auch bei anderer Gelegenheit werden wir, wenn nicht der ganze Gospeltrain beteiligt ist, mit SängerInnen eines befreundeten Chores (diesmal „Rainbow Gospelchor“ aus Herzebrock) unter dem Namen WeST! (=We sing together!) auftreten.

Gemeinschaftskonzert in der St.Martinikirche, 20.30Uhr
An der Martinikirche 10, 38100 Braunschweig
martiniforte/Braunschweig
New City Voices/Neustadt am Rübenberge
WeST – We sing together/Beckum
GospelFire/Hamburg

Ein Highlight wird, wie bei früheren Gospelkirchentagen, der Mass Choir Workshop am Samstag mit mehreren tausend Aktiven werden. Vier Chorleiter/Komponisten möchten mit uns arbeiten und uns ihre Kompositionen/Arrangements beibringen, unterstützt von professionellen Sängern und Musikern.
Nachmittags besteht die Gelegenheit, sich sein Programm individuell zusammenzustellen. Was darf es ein? Teilnahme an einem Workshop zu verschiedensten Themen rund um die praktische Arbeit in und mit einem Gospelchor? Oder lieber ein Konzert? – Zum Zuhören oder Mitsingen, mit Gospelchören ganz unterschiedlicher Art.
Beim abendlichen Galakonzert können wir amerikanische und europäische Größen der Gospelmusik live erleben (Israel & New Breed/USA, Oslo Gospel Choir(/NOR).

Sonntags findet der Festivalgottesdienst als Open-Air-Veranstaltung statt. Danach geht es erneut in den Mass Choir Workshop. Bevor wir schließlich angefüllt mit vielen neuen Eindrücken nach Hause fahren, wird es einen gemeinsamen Abschluss geben.

Mit den Erfahrungen der Teilnahme an den Gospelkirchentagen 2012 in Dortmund und 2014 in Kassel steht so gut wie fest:

  • Es wird anstrengend
  • Es wird informativ und lehrreich
  • Wir werden viele Eindrücke und neue Impulse mitnehmen
  • Wir werden uns von Liveerlebnissen begeistern lassen

Und

  • 2018 sind wir – vielleicht – wieder dabei

Winterschlaf? Nichts los beim Gospeltrain?

Die Konzerte des Jahres 2015 sind gesungen, Hochzeiten und Taufen mitgestaltet, Gottesdienste begleitet. Winterschlaf beim Gospeltrain? So scheint es. Doch das täuscht!

Bis zum Auftakt unserer Chorsaison 2016 mit einem kleinen Workshop und anschließendem Auftritt in der eigenen Gemeinde geht es ruhig zu. Dennoch laufen die Proben bis dahin fast durchgehend weiter. Es ist die Zeit, in der am Repertoire gearbeitet wird. Es gilt neue Songs zu lernen und lange nicht mehr Gesungenes aufzufrischen. Nebenbei wird am Programm für die Konzerte des kommenden Jahres gebastelt. Natürlich werden wir uns auch eine chorinterne Weihnachtsfeier gönnen, um uns am Ende dieses wie immer ereignisreichen Jahres zu belohnen.

Nebenbei haben einige Gospeltrainer die Zeit genutzt, um über den Tellerrand des eigenen Tuns hinaus zu schauen und neue Erfahrungen in Sachen Gospel und Chorgesang zu sammeln. Mal sang man bei externen Veranstaltungen mit oder war als Zuschauer bei Konzerten unterwegs.

Da war zunächst der Gospelday am 11.09.2015 in Herzebrock-Clarholz. Der Herzebrocker Rainbow Gospelchor war Gastgeber eines Konzertes in „seiner“ Kreuzkirche. Über Chorleiter Sebastian Wewer steht man in Verbindung zum Gospeltrain Hamm und zum Gemeindechor CHORios aus Ahlen, mit denen man bereits mehrfach kooperiert hat. Die Herzebrocker hatten sich CHORios eingeladen, die ihrerseits von einigen Gospeltrainern ergänzt wurden. Einige Überschneidungen im Repertoire und der gemeinsame „Trainer“ machten es möglich. Es standen aber nicht nur Gospeltrainer mit auf der Bühne, sondern einige erlebten die Veranstaltung als Zuschauer aus anderer Perspektive. Das musikalisch gelungene Benefizkonzert zugunsten des durch den Gospelday unterstützten Projekts „Happy Home“ gegen Benefizkinderarbeit/-sklaverei in Bangladesh war ein voller Erfolg. Das wohlgestimmte Publikum sorgte zudem für eine großzügige Spende zugunsten des Projekts, das ihm in einem kurzen Wortbeitrag näher gebracht wurde.

© trainarchivatorGospelday in Herzebrock

Über Monate hinweg zog sich für einige Gospeltrainer eine ganz andere Aktion – ihre Teilnahme am Pop-Oratorium „Luther“, dass am 31.10.2015 in der Dortmunder Westfalenhalle seine Welturaufführung erlebte. Als Teil eines 3000 Köpfe starken Chores durfte man die Zusammenarbeit mit echten Bühnenprofis (Musicalsänger, Sinfonieorchester und Band) erleben. Bei mehreren gemeinsamen Proben mit allen Beteiligten sowie weiterer Probenarbeit in den Heimatchören erarbeitete man sich die extra für dieses Stück geschaffenen Songs (Musik Dieter Falk, Text Michael Kunze). Lohn waren zwei Aufführungen in der Westfalenhalle mit sehr positiver Publikumsresonanz, bundesweiter Berichterstattung und v.a. unbezahlbarer Erlebnisse mit vielen anderen Gospelaktivisten.

© A.RemmertGospeltrainer als Teil des Riesenchores in weiß – die Perspektive der Aktiven
© A.Remmert

Natürlich verfolgen wir, was an Gospelkonzerten in der Nähe geboten wird. Privat verabreden sich dann gelegentlich interessierte Gospeltrainer, um diese Konzerte zu besuchen. Man möchte sich unterhalten und inspirieren lassen; vielleicht gibt es auch etwas abzuschauen oder zu lernen.

Kürzlich veranstaltete der Kulturarbeitskreis unseres Stadtteils Hamm-Norden in der Ev.Johanneskirche ein Konzert unter dem Titel „Shout to the Lord“, bei der afrikanischer Gospel auf europäische Orgelmusik traf. War ja klar, dass einige von uns dabei waren, wenn in der Nachbarschaft ein solches Angebot gemacht wird. Gerade afrikanische Songs interessieren uns im Moment, nachdem wir uns in unserer Chorgeschichte zunächst nur mit amerikanischen Gospels beschäftigt und in den letzten Jahren europäische Kompositionen kennen und schätzen gelernt haben. Die „Harmonie Singers“ sind ein Laienchor afrikanischer Frauen aus Hamm, die nicht nur englischsprachige Liedern sangen, sondern sich auch erfolgreich an deutschsprachige Kirchenlieder mit Orgelbegleitung heranwagten.

© Westfälischer Anzeiger, 07.11.2015, Online-Fotoserie, Peter Sudermann© Westfälischer Anzeiger, 07.11.2015, Online-Fotoserie, Peter Sudermann

Auch das nächste Konzert steht für einige bereits im Kalender: der Gospelchor „Rejoice“ aus Langenberg (Kreis Gütersloh) gibt in Lippstadt am 15.11.2015 ein Konzert unter dem Titel „Joy to my soul“ – wir sind schon gespannt.

Nachbesprechung Gospeltrain im Lokalradio am 01.03.2015

@ Radio Runde HammGestern war es so weit: im Lokalradio Lippewelle Hamm lief im Rahmen des Bürgerfunks der „Stammtisch“. In dieser Talkreihe können sich Vereine und Gruppen aller Art vorstellen. Der Gospeltrain war nach 2013 zum zweiten Mal zu Gast, heute mit dem Schwerpunkt „20 Jahre Gospeltrain“.

Nach der Erkennungsmelodie begrüßte Moderator Ralf Grote die Zuhörer sowie unsere dreiköpfige Abordnung und nannte das Thema. Dann wurde ein Konzertmitschnitt des Traditionals „Deep River“ gesendet. Obwohl die ursprünglich nur für uns selbst gemachte Aufnahme nicht höchsten technischen Anforderungen entspricht, vermittelte sie einen positiven Eindruck.

Als erstes wurde die Vereinsvorsitzende Christa Etzel gefragt, wie sie zum Gospeltrain gekommen sei. – Gospel habe sie immer schon gerne gehört, doch ihr sei nicht in den Sinn gekommen, in einen Gospelchor einzutreten. „Das ist etwas für jungen Leute“, so ihr damaliges Vorurteil. Dieses musste sie revidieren, als sie bei einem Besuch eines unserer Konzerte auch „graue Köpfe“ bei den Aktiven entdeckte. – „Jetzt stand einer steilen Karriere in Sachen Gospel nichts mehr im Wege, nach dem Mitgliedsantrag ging es gleich in die erste Reihe?“ fragte Moderator Grote scherzhaft-provozierend. Christa berichtete, dass es bei ihrem Beitritt 2003 (wie bis heute) kein Vorsingen gegeben habe und der Anfang ein Ausprobieren und Kennenlernen gewesen sei. Eigentlich wollte sie nur singen, doch als sie Jahre später gefragt wurde, ob sie zur Kandidatur für den Vorsitz bereit sei, habe sie zugesagt – Gospel liege ihr schließlich am Herzen. Die Arbeit im sechsköpfigen Vorstand habe schon einiges zeitliche Gewicht, speziell vor dem Jubiläum, doch man habe ein tolles, tatkräftiges Team.

Jetzt war es Zeit für Musik: „Rock my soul“, ein Gospel in der Version von den Les Humphries Singers.

In der zweiten Interviewrunde kam Gründungsmitglied Monika zum Einsatz. Sie berichtete vom Start im Jahr 1995, als sich einige Leute zu einer Gospelgruppe zusammenfanden. Moderator Grote wollte es genau wissen: „Da muss doch eine Muse erschienen sein und gesagt haben, gehen wir los, du könntest Gospelstar werden“. Monika ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Sie erzählte vom Vorlauf und den entscheidenden Personen, die den Gospelvirus in unsere Gemeinde gebracht haben. So habe Peter Bunke, damals Hauptschuldirektor und Mitglied im Gemeinderat, begeistert von seinen Eindrücken eines Gospelchores in San Francisco erzählt. Bei der damaligen Pastoralreferentin Christa Harling traf er auf offene Ohren; ebenso bei der afrikaerfahrenen Gemeindeschwester Maria Elisabeth, die in ganz kleinem Kreise Gospels zur Gitarre sang, um den anderen das Englischlernen zu vereinfachen. Die entscheidenden Fragen seien gewesen, wo man einen Chorleiter und Mitglieder für eine Gospelgruppe in Hamm-Norden herbekäme. Kirchenmusiker Alexander Fabig, der nach eigener Aussage zuvor kaum mit Gospelmusik in Berührung gekommen war, ließ sich nach der Anfrage auf das Abenteuer ein. Nach einer Bekanntmachung im Pfarrbrief meinte Monika, das könne etwas für sie sein. Schließlich habe man 10-12 Leute zusammen gehabt, man wollte es miteinander probieren.

„Gospel ist mehr Power, mehr Party?“ lautete die nächste Frage. – „Lebendiger, gefühlvoller, ich kann mich in das Lied einbringen, ich finde mich wieder in den Texten. Ich habe schnell gemerkt – das ist meine Musik!“ Monika hat es mit diesen Aussagen perfekt auf den Punkt gebracht.

Es sei zunächst nur eine kleine Gruppe gewesen, die Spaß gehabt und dennoch schon 1996 ein erstes kleines Konzert in der Gemeinde gegeben habe – bereits unter dem Namen Herz-Jesu-Gospelchor. Die englische Sprache sei erst eine Herausforderung gewesen, da die Schulzeit schon lange zurück gelegen habe. Weiteren Zulauf habe es nach einem Zeitungsbericht einer Volontärin gegeben. Lange Jahre sei der Chor dann 20-25 Mitglieder stark gewesen, die längst auch aus anderen Stadtteilen gekommen seien. Heute habe man inzwischen vierundfünfzig Mitglieder bei starkem Frauenüberschuss, was zu einem Aufnahmestopp geführt habe. Männerstimmen könne man jedoch weiterhin an Bord nehmen.

Ist es Zufall, dass ausgerechnet mit „Loved“ jetzt der Mottosong unserer diesjährigen Jubiläumssaison gespielt wurde? In diesem Fall war es keine Gospeltrainaufnahme, sondern eine der Creativen Kirche Witten.

Nach den Damen kam Chorleiter Sebastian Wewer zu Wort – wie im echten Chorleben. Moderator Grote wollte überleitend wissen, wie unser Chef sich gegen die vielen Frauen durchsetze. Er schätzte die Lage völlig richtig ein: „Ich glaube, das kann der!“ Chorleiter Sebastian war auch 2013 beim Besuch im Studio dabei. Wir durften mit dem Ohr am Radio beruhigt zur Kenntnis nehmen, dass er uns so schnell nicht loswerden wolle. Dito!
Die Frage, ob viel Herzblut dabei sei, beantwortete er mit „ja“. Zwar habe er mit uns viel Arbeit, speziell auch wegen der Jubiläumskonzerte, aber wir wollen uns musikalisch Stück für Stück weiter entwickeln. Auch das soziale Miteinander wurde erwähnt.

Unsere vielfältigen Aktivitäten, das große ehrenamtliche Engagement, werden offensichtlich auch in der Öffentlichkeit wahrgenommen, nicht zuletzt in der Lokalzeitung, so dass der Moderator mal genauer nachfragte. – Wir kämen jährlich auf 18-21 Auftritte. Darunter seien meistens zwei große Konzerte und zahlreiche Hochzeiten. Wichtig seien auch Ereignisse in der Heimatgemeinde, so die Ausführungen des Chorleiters. „Wer Lebendigkeit im Gottesdienst haben wolle – immer nur ran, rufen Sie den Gospeltrain an. Wir singen, wo man uns braucht.“
Nächstes Thema war die Arbeit an Verbesserungen. Dies geschehe in der Nachlese der Auftritte in den Proben. Grobe Fehler passierten bei Auftritten sehr selten. Man sei gut eingespielt und trage Fehler gemeinsam, so dass diese dem Publikum in der Regel nicht auffielen.

„Ist es manchmal schwierig, sich da durchzusetzen?“ wollte der Moderator mit Blick auf den Frauenüberschuss wissen. – „Ooooh ja!“, kam es Sebastian aus tiefster Seele. Als Chefdiplomat bekam er elegant die Kurve und meinte, es sei nicht wirklich schwierig, es seien ja angenehme Frauen! – Der Insider grinst am Radio. – Dennoch wünsche er sich noch ein paar Männerstimmen mehr. Er sei mit seinen Männern zwar zufrieden, doch für das musikalische Gleichgewicht und die Abrundung des Klanges wäre es gut.
Eher scherzhaft war der Wunsch nach mehr Männerthemen in den Pausen. Man stelle sich Sebastian im Fachgespräch über Autotechnik, Baumarktschnäppchen, Fußballergebnisse und Bierpreise vor – ob das seine Themen sind??? 🙂

„Order my steps“, lenke meine Schritte, ist an dieser Stelle die geeignete musikalische Bitte. Eine Aufzeichnung vom Gospeltrain. Dann kommt mit Etta James beim „Swing low, sweet chariot“ ein Blues-Jazz-Gospel-Profi zu Gehör.

© Radio Runde HammMonika, Sebastian und Christa zu Besuch im Studio

Zum zweiten Male durfte dann Christa Etzel die Interviewpartnerin geben. Vorher hatte schon Sebastian unser „ewiges“ Thema, die schwarzen Socken, erwähnt. Inzwischen ein „running gag“. Christa berichtete, dass das von uns selbst gewählte Auftritts-Outfit uni-schwarz mit orangem Schal sei. Anfangs habe es mal Probleme mit dem Durchsetzen des Schwarz‘ von Kopf bis Fuß gegeben, doch das habe man inzwischen im Griff. Dem Moderator schien unser orange gut zu gefallen, beschrieb er doch unsere in orange gehaltene Homepage.

Dieses Outfit gebe es seit vielen Jahren und sei unser Markenzeichen, erläuterte die Bossin, die dies auch durchsetzt. Offensichtlich hat diese konsequente Umsetzung unseres Erscheinungsbildes in der Öffentlichkeit (Kleidung, Internet, Plakate) unsere Bekanntheit und den Wiedererkennungswert deutlich erhöht. Ein entsprechender Aufruf des Moderators lautete: „Welcher Mann zu Hause schwarze Socken hat und einigermaßen bei Stimme ist, der möge sich melden“.

Zum Jubiläumskonzert wollte die Vereinsvorsitzende nicht allzu viel verraten, außer, dass es etwas Besonderes werden solle, was über den üblichen Rahmen hinaus gehe. Es sei einiges mehr an organisatorischen Vorbereitungen zu erledigen, zumal man anschließend Chor und geladene Gäste bei einem Empfang bewirten wolle.
Der Moderator nannte die Daten des Konzerts (22.03.2015, 17.00 Uhr, Herz Jesu Kirche, Hamm-Norden) und fragte: „Wenn ich da jetzt hinmöchte, muss ich mir da Karten im Vorverkauf besorgen?“ – „Nein, wir verkaufen keine Karten, man kann aber bei Gefallen eine Kleinigkeit spenden. Dieser bewährten Vorgehensweise bleiben wir weiterhin treu.“

Nächstes Thema war unsere Minitournee. Es verwunderte Moderator Grote etwas, dass mit dem Jubiläumskonzert das Highlight schon so früh im Jahr gesetzt werde. Ihm wurde nun berichtet, dass dies das letzte Konzert in einer bisher erfolgreichen Minitournee sei, die uns zuvor nach Münster-Wolbeck und nach Beckum geführt habe. – Jetzt wollte Grote wissen, ob man bei den beiden bisherigen Konzerten schon das Hammenser Programm präsentiert habe oder ob man noch einen musikalischen Joker aus der Tasche ziehen könne. – Im Prinzip sei es das gleiche Programm, allerdings in einer etwas abgespeckten Version, mit ein paar weniger Titeln und dementsprechend kürzer als in Hamm. Wir seien schon ein wenig aufgeregter durch die Vorbereitung und gleichermaßen gespannt, wie alles so abläuft.

Puh, das waren eine Menge Infos. Also etwas Musik auf die Ohren in Gestalt eines „Gospelmedleys“ (Creative Kirche Witten). Anschließend gleich noch Neil Diamond mit „Thank the Lord for the night time“ hinterher.

Nach den organisatorischen Themen sollte es jetzt mit musikalischen Inhalten weitergehen. Da war Sebastian Wewer als der Verantwortliche wieder gefragt. Schon vorher war so manche Methapher aus dem Fußball verwendet worden. Jetzt stand die Frage an, ob das Jubiläumskonzert mit einem Finale zu vergleichen sei. – „Eigentlich nicht, denn nach dem Konzert ist vor dem Konzert. Es geht ja immer weiter.“ Allerdings wolle man mit diesem Auftritt einen Hattrick erzielen. (Gut gekontert! möchte der Fußballfan antworten.) Das Konzert solle begeistern und einen Streifzug durch unsere Chorgeschichte bieten: vom ganz traditionellen Gospel über den Contemporary Gospel bis zum christlichen Pop. Wir möchten zeigen, dass Gospel nicht immer nur Halli-Galli-Klatschen ist, sondern auch ganz gefühlvoll sein kann.

Es folgte ein weiterer Hinweis des Moderators auf unseren Blog, der ihm offensichtlich zur Vorbereitung des Gospeltrain-Stammtisches gedient hatte.
Ein weiteres Thema war das Klatschen im Konzert, speziell, wenn im Publikum im falschen Takt geklatscht wird. „Für unser Stammpublikum könnten wir längst Klatschdiplome ausstellen“, so S. Wewer. „Ansonsten biegen wir das so hin, dass die breite Masse ganz schnell richtig klatscht und nicht mehr im Schützenfestrhythmus. Wir lassen uns längst nicht mehr aus der Ruhe bringen.“ (Die Insider schmunzeln sicher an dieser Stelle im Rückblick auf viele Jahre Klatscherfahrung).

Fordert man als Chorleiter zum Jubiläum vom Chor noch mal etwas Besonderes? Sozusagen Champions League? – Nichts da. Für Sebastian Wewer ist jedes Stück Champions League. Ziel ist die Aneinanderreihung vieler ganz toller Titel. Derzeit stehen die wöchentlichen Proben ganz im Zeichen des anstehenden Konzertes.
Bei der Gelegenheit ging ein Dank an die Gemeinde Clemens August Graf von Galen Hamm-Norden, die uns das Pfarrheim für Proben und gelegentliche Workshops zur Verfügung stellt und zu der eine enge und gute Verbindung besteht. Ausdrücklich erwähnt wurde der inzwischen in den Ruhestand verabschiedete langjährige Pfarrer und Förderer Paul Markfort. „Der Gospeltrain sei sehr glücklich“, so S. Wewer, dass diese Tradition unter dem neuen Pfarrer Davis Puthussery fortgesetzt werde.“ – „Ihr gebt ja auch etwas zurück, tragt den Namen der Pfarrgemeinde hinaus in die „großen Metropolen“ (des Umlandes), so die scherzhafte Ergänzung des Moderators.

Das war mal ein wenig aus dem Nähkästchen geplaudert. Chorleiter Sebastian Wewer bekommt – quasi als Schlusswort – die Gelegenheit, zum Konzert einzuladen. Er hoffe auf gutes Wetter, und man könne auf einem Spaziergang bei freiem Eintritt um 17.00 Uhr eine zweistündige Pause in der Herz-Jesu-Kirche einlegen. „Wir freuen uns, wenn die Kirche rappelvoll wird und wir mit Ihnen allen unser zwanzigjähriges Chorjubiläum feiern dürfen.“

Nach der Verabschiedung durch Ralf Grote ist – wie in vielen unserer Konzerte – zum Abschluss unser „Oh, happy day“ zu hören. Die allerletzten Sendeminuten gehören Bill Ramsey mit dem Song „Wo ist er“, einer deutsch-englischen Variante des George-Harrison-Ohrwurms „My sweet Lord“

Jubiläumskonzert des Gospeltrain Hamm e.V
anlässlich des 20jährigen Bestehens
22.03.2015
Beginn 17 Uhr, Einlass 16 Uhr

Herz Jesu Kirche, Hamm-Norden
Karlsplatz 1, 59065 Hamm

Gospel-Chormusical „Amazing Grace“ Thema im TV

Heute haben wohl viele Gospelfreunde eine E-Mail von der „Creativen Kirche“ erhalten. Darin wird ein Fernsehbeitrag angekündigt, der vielleicht für den einen oder anderen interessant sein könnte. Es geht um das Chormusical „Amazing grace“, dass beim Gospelkirchentag in Kassel uraufgeführt wurde und bei dem viele Gospeltrainer live dabei waren.

SWR-Fernsehen
Frank Elstner „Menschen der Woche“
Sa 07.02.2015, 21.50 Uhr

© Creative Kirche© Creative Kirche

http://www.creative-kirche.de/
http://www.amazing-grace.de/

Gospelkirchentag Kassel – Teil 4 Nachmittag mit Workshops und Konzerten

© Creative Kirche, Witten

© Sebastian WewerDer Mass Choir Workshop liegt hinter uns. Jetzt erst mal raus an die frische Luft. Der Kopf schwirrt noch von den vielen Eindrücken, auch ein leichtes Schweben ist noch spürbar. Jetzt trifft man auch so manchen wieder, der in der Halle im Block einer anderen Stimme gesessen hat. Also tauscht man sich aus, gönnt sich erst mal zur Erfrischung ein Kaltgetränk oder macht Erinnerungsfotos. Wie geht aber der Tag weiter?

© trainarchivatorEinige Ahlener Kollegen von CHORios zwischen Mass Choir und Aufbruch

Nachmittags stehen in der Innenstadt einerseits Workshops auf dem Programm, andererseits gibt es auf Open-Air-Bühnen und in Kirchen Konzerte. Wofür entscheidet man sich? Mancher hat schon zu Hause das umfangreiche Programmheft studiert und einen persönlichen Plan. Andere überlegen noch oder suchen Begleiter für die nächsten Stunden. Nach und nach lassen wir uns mit den schier zahllosen Einsatzbussen zum Auestadion chauffieren, von wo aus die Tram in die Innenstadt fährt. Sehr praktisch, dass im Ticket für den Gospelkirchentag gleich die Fahrkarte für den Nahverkehr eingeschlossen ist. Man mag sich gar nicht vorstellen, wenn tausende Ortsunkundige versuchen ein fremdes Tarifsystem inklusive Netzplan zu verstehen oder zu erfragen – Chaos! So jedoch geht alles ganz easy.

© trainarchivatorNoch ganz friedlich – wenige Minuten später unser Musik-Express

In der Tram herrscht gute Stimmung. Sind wir eigentlich alle Gospelkirchentagsbesucher oder haben sich tatsächlich Einheimische unter uns gemischt? Schlüsselbänder mit Tickets, die Regenbogenschals der Aktion „Gospel für eine gerechtere Welt“ und vielerlei Chorkleidung lassen uns fast wie eine geschlossene Gesellschaft erscheinen. Kein Wunder also, dass gleich ordentlich mit eingestiegen wird, als jemand ein Lied anstimmt. Dass die Mitsingenden verschiedenen Chören angehören macht sich gar nicht bemerkbar – haben wir doch soeben mehrere Stunden des gemeinsamen Singens und aufeinander Hörens hinter uns gebracht. Die meisten steigen am heute wieder mit der Bahn erreichbaren Königsplatz aus, der gestern aufgrund der Auftaktveranstaltung nicht angefahren wurde. Hier trennen sich jetzt unsere Wege.

In den Workshops wird so ziemlich jedes Thema rund um Gospel behandelt. Da findet jeder ein passendes Angebot – ob Praxis oder Theorie, für Anfänger oder Fortgeschrittene. Man kann lernen und ausprobieren, Kontakte knüpfen und sich Anregungen holen. Mancher hat bei der Auswahl ein ganz bestimmtes Thema im Sinn, anderen ist es wichtiger mit bestimmten Leuten gemeinsam etwas zu unternehmen. Die Dozenten sind jeweils Fachleute aus dem entsprechenden Bereich.

Konzerte gibt es sowohl auf Open-Air-Bühnen als auch in Kirchen der Innenstadt. Das Programm ist bunt gemischt, deutsch und international. Eine Besonderheit stellt die Hessenbühne auf dem Opernplatz dar, wo die Veranstalter den hessischen Chören eine Präsentationsmöglichkeit geben, und wo sich das Publikum eine Übersicht über die Gospelszene des Landes verschaffen kann. Außerdem finden mehrere Offene Gospelsingen mit namhaften musikalischen Leitern statt – just for fun, um selbst aktiv zu werden

Wir trennen uns also und streben verschiedenen Zielen zu. Ich habe mich mit Ankie zusammengetan und wir wollen zu „Groove im Chor“. Da sich der Weg zum Veranstaltungsort einigermaßen zieht und die Zeit drängt, steigen wir spontan wieder in eine Tram, die direkt vor der Tür des Zieles hält. Super. Rechtzeitig geschafft. Hoffentlich ist der Workshop nicht überfüllt, so dass wir draußen bleiben müssen, wie ich es einmal beim letzten Gospelkirchentag in Dortmund erlebt habe. Aber nichts da – wir gehören zu den Ersten. In den Minuten bis zum Beginn strömen noch viele Leute in den kleinen Saal; immer schwungweise, so wie die Trams ihre Ladung vor der Tür abliefern. Jetzt sind wir mal gespannt, was jetzt passieren wird.

Leiter des Workshops ist Martin Carbow. Nach Auskunft des Programmheftes arbeitet der Vocal-Coach u.a. als Chorleiter und Arrangeur. Carbow stellt sich kurz vor, alles im lockeren Plauderton. Der wird sich auch die folgende Stunde nicht ändern – egal, was wir jetzt auch machen. Genau genommen weiß niemand, wie der Workshop ablaufen soll. Wir singen ein bisschen. Außerdem wird gestampft, geklatscht und geschnippt. Wann geht es endlich richtig los?! Bin ein bisschen verwirrt. Jetzt wird etwas vom Laptop an die Wand geworfen: „Beat im Körper verankern“. Okay, das können wir nachvollziehen, das haben wir gerade gemacht. Immer noch ein wenig Verwirrung. Neue Übung, eine kleine Melodie auf ha-ha-ha. Jetzt dasselbe auf he-he-he. Wirkt vollkommen anders. Anschließend auf ho-ho-ho. „So, jetzt singt wie Fußballfans“. Aus dem Singen wird eher ein Rufen. „Eure Mannschaft hat gewonnen“. Das Rufen bekommt einen eigenartig selbstbewusst-machomäßigen Unterton. „Ihr habt das eine oder andere Bier getrunken“. Jetzt klingt es eher gegröhlt, die Lautstärke ist deutlich erhöht. „Es ist Euch scheißegal, ob Euch einer hört!“ Uih, das geht aber ab. Gut, dass mich in Kassel keiner kennt! Wie mag sich dieser Lärm wohl für andere im Gebäude befindliche Personen anhören.
Was das alles soll? Allmählich dämmert uns das didaktische Konzept. Schon winzige Veränderungen können eine große Wirkung haben. Das haben wir soeben mehr als deutlich gespürt; es v.a. nicht vorgeführt bekommen, sondern mit dem eigenen Körper erlebt. An der Wand zeigt uns die Projektion inzwischen die vier Schritte zum perfekten Groove. Angesichts der Fachbegriffe sind wir geschockt, verstehen als Nicht-Musikstudenten nur Bahnhof. Carbow beruhigt uns. „Alles was zum perfekten Groove gehört, kennt Ihr längst.“ Stimmt. Es muss uns nur an lebendigen Beispielen deutlich vor Augen geführt werden. Carbow nutzt witzige und schräge Bilder, um uns die musiktheoretischen Inhalte praktisch vorzuführen. Beim Thema Groove werde ich ab sofort immer an Einkaufswagen und Gummimatten denken – die Insider wissen Bescheid.

© trainarchivatorCarbow genießt es uns mit Fachbegriffen zu schocken – alles halb so wild

Am Ende des Workshops haben wir so manchen Aha-Effekt erlebt. Wir wissen, dass man durch winzige Abweichungen vom Stammrhythmus eine besondere Dynamik und Spannung erzeugen und beim Publikum geradezu eine Erwartungshaltung wecken kann. Außerdem hat es echt Spaß gemacht mit netten Leuten viele verrückte Dinge ausprobiert zu haben.
Als wir den Saal verlassen, starren uns etwas irritiert viele Leute an, die bei der Wiederholung des Workshops dabei sein wollen. Was die sich wohl angesichts der Geräuschkulisse gedacht haben mögen? Das letzte Lied war übrigens ein Weihnachtslied. Im September!

© Creative Kirche365 Tage Badewetter – Dusche am Nachmittag….………………….© Creative Kirche

Der Regen, der zwischenzeitlich niedergegangen war, hat inzwischen aufgehört. Mit der Tram fahren wir ohne besonderen Plan zurück zum Königsplatz. Dort herrscht eine heitere Stimmung. Die Sonne ist inzwischen rausgekommen und auf der Bühne gibt’s Livemusik. Noch sind Ten Sing aus Hessen aktiv, dann folgt der Auftritt von Gospel Connection aus Bremen – klasse.

© Creative KircheGospel Connection auf der Bühne auf dem Königsplatz………….© Creative Kirche
http://www.youtube.com/watch?v=rq5wsMz7gcU&list=UUtn9ykXa8dXSOrG_i5EHKww

Wir lassen uns ein wenig treiben, wie so viele andere auch. Schließlich gönnen wir uns eine warme Mahlzeit vom Imbiss, hören Musik, plaudern ein wenig und genießen einfach das hier und jetzt. Als das Chris Lass Trio startet, denken wir das erste Mal daran, dass nachher der Musicalbesuch ansteht. Wie lange werden wir bis zur Rothenbachhalle brauchen? Schwer einzuschätzen. Auf den letzten Drücker wollen wir nicht kommen, denn wir möchten die Aufführung gerne im Kreise unserer Lieben erleben. Noch ist allerdings Zeit.

© trainarchivatorGospelkirchentag live auf dem Königsplatz – alles passt

Inzwischen fahren die ersten Trams mit dem Hinweis „Einsatzwagen Auestadion“. Die Verkehrsbetriebe haben ordentlich Betriebsmittel auf Schiene und Straße gebracht, um einige Tausend Menschen von der Innenstadt zum Messegelände zu transportieren. Irgendwann steigen wir ein. Und schon an der nächsten Station wieder aus. Vom Opernplatz klingt die Musik zu verlockend. Auf der Bühne singt gerade die Kurhessische Kantorei „Joy of Life“ aus Marburg. Herrlich swingend. Im Schnitt sind die gesanglichen Fähigkeiten höher als beim Gospeltrain, viele sicher mit Soloqualitäten. Im Laufe des Auftritts wird der Chor aber immer klassischer, immer jazziger. Das gefällt Ankie und mir dann weniger gut. Da ist der gute alte Train unserer Meinung nach wieder im Vorteil. Bei uns ist mehr Leben drin, mehr Gospel, irgendwie echter und authentischer.

© trainarchivatorDie Hessenbühne auf dem Opernplatz, unter dem Denkmal von Louis Spohr

  • Von Louis Spohr weiß das HNA-Regiowiki zu berichten, dass dieser ein Komponist und Dirigent war, zeitweise Hofkapellmeister in Kassel und neben Paganini einer der berühmtesten Violinvirtuosen seiner Zeit war. (HNA= Hessische/Niedersächsische Allgemeine). Also ganz große Kunst.

Dann können wir uns jetzt auch auf den Weg zur Rothenbachhalle machen. Aber wen sehen wir da an der Haltestelle? Birgit und Danny, die uns begeistert von ihrem Workshopbesuch erzählen. Die beiden, die bei uns auch Soloparts übernehmen, waren in Sachen Stimmbildung unterwegs. In ihrem Workshop haben sie wohl unglaublich viel Input bekommen, was die Zusammenhänge bei der Lautbildung und die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten angeht. So vergeht die Fahrt zur Halle bei interessanten Erzählungen über die Erlebnisse des Nachmittags.

Mehr zur Musicalaufführung „Amazing grace“ in Teil 5.