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Internationales Festival der Gospelmusik in Deutschland

Gospelkirchentag 9.-11.9.2016 Teil 3 – Die Gospelnacht

© Creative KircheDie Gospelnacht ist bei jedem Gospelkirchentag ein Highlight für die veranstaltende Stadt. In Braunschweig kann das Publikum zwischen 25 Veranstaltungen mit 90 Chören wählen. Und das alles bei freiem Eintritt. Welcher Chor in welcher Kirche auftritt, hat meistens praktische Gründe (Chorgröße, Technikeinsatz, Begleitband). Manchmal äußern Chöre aber auch den Wunsch, mit einem bestimmten anderen Chor gemeinsam aufzutreten.

Wir als „WeST-We sing together!“, ein Zusammenschluss von Mitgliedern des Gospeltrains Hamm und des Rainbow-Gospelchors aus Herzebrock, haben die St. Martinikirche zugewiesen bekommen. Immer wieder spannend, welche Art Kirchengebäude sich hinter der bis dahin unbekannten Örtlichkeit verbirgt. Recherchen im Vorfeld haben immerhin ergeben, dass es sich um eine große, alte Stadtkirche im Zentrum Braunschweigs handelt.

© trainarchivator  Die östliche Chorseite vom Altstadtmarkt aus

Der erste Anblick der St. Martinikirche vom Altstadtmarkt aus ist beeindruckend. Eine Braunschweiger Seniorin erklärt einigen Gospeltrainern, dass es sich um die Kirche der reichen Kaufleute handelte, die einen Gegenpol zum Dom als geistliches Zentrum darstellte. Den Bau begann man ab ca. 1190 in Gestalt einer romanischen Pfeilerbasilika. Zwischen 1250 und 1400 wurde sie zu einer gotischen Hallenkirche ausgebaut. Danach folgten weitere Anbauten und Veränderungen. © Infos aus WIKIPEDIA

© trainarchivatorIn der St. Martinikirche gibt’s heute Gospel satt

Vor der geöffneten Tür laden Plakate zur Gospelnacht ein. Erste Zuschauer sind schon da. Wir warten darauf, dass unsere Truppe vollständig ist, um uns dann einzusingen. Vorne hat man eine Chortribüne aufgebaut, auf der sich der erste Chor vorbereitet. Hier und da werden von Aktiven der vier teilnehmenden Chöre und Veranstaltern letzte Absprachen getroffen, tontechnische Einstellungen verändert. Dabei füllt sich die Kirche weiterr.

© trainarchivatorSt. Martini – eine mächtige, reich ausgestattete Stadtkirche

Wir warten immer noch auf eine Person und warten und warten. Wir haben im Laufe der Jahre schon vieles erlebt und sind dementsprechend abgebrüht, doch jetzt kommt langsam Unruhe auf. Per Handy kommt die Nachricht, dass es eine Verwechslung mit einer anderen Kirche gegeben habe. Immerhin eine Information. Irgendwo in der Stadt versucht nun jemand so schnell wie möglich die St. Martinikirche zu erreichen, bevor die Veranstaltung los geht. Schließlich wird alles gut. Chorleiter Sebastian Wewer hat alle seine Schäfchen beisammen.

Auftritt „Martiniforte“ (Braunschweig)

Es geht los. Mit „Martiniforte“ geht der Gospelchor der gastgebenden Gemeinde an den Start. Die Chormitglieder freuen sich, bei ihrem Heimspiel den Auftakt machen zu dürfen. Vor dem ersten Titel begrüßt die Chorleiterin, Kantorin der Gemeinde, die Besucher der Gospelnacht in der St. Martinikirche.

© Karsten Socher/Creative KircheMartiniforte vor dicht besetzten Bankreihen   © Karsten Socher/Creative Kirche

Der Start ist schwungvoll, die Nervosität wird schnell abgelegt. Begleitet wird der Chor von E-Piano, Schlagzeug und Kontrabass. Auf dem Programm stehen viele bekannte Songs, teilweise individuell arrangiert. Im Gegensatz zu den meisten anderen Gospelchören singt Martiniforte mit Mappe – ein ungewohnter Anblick. Eine tolle junge Sopranistin, die viele Soloparts übernimmt, hat man zu nah am Mikro positioniert, so dass sie zu stark dominiert. Schade. Die gute Leistung des Chores sorgt für einen gelungenen Einstieg in die Gospelnacht.

© trainarchivatorMartiniforte am Ende ihres erfolgreichen Auftritts

Auftritt „New City Voices“ (Neustadt am Rübenberge)

Als zweiter Chor gehen die „New City Voices“ aus Neustadt am Rübenberge an den Start. – Was heißt gehen? Sie schreiten von hinten, „Jesus is the rock“ singend, in Richtung Bühne. Das kann man mal einen perfekten Einzug nennen. Sehr effektvoll. Auch der Anblick der glänzenden roten Roben mag manchen Besucher überraschen. Sofort ist klar, dass dieser Chor völlig anders ist als Martiniforte. Gelobt sei die Gospelvielfalt!

Die Mitglieder sind häufig in Bewegung, haben kleine Choreographien einstudiert und strahlen echte Begeisterung aus. Kein Wunder, haben sie doch eine äußerst charismatische Chorleiterin – ein echtes musikalisches Power-Paket. Viele Songs sind uns unbekannt. Kein Wunder, sind doch viele von der Leiterin selbst komponiert, wie ein Chormitglied später verrät. Es werden actiongeladene Songs präsentiert, gefolgt von ruhigen, melancholischen Stücken.

© Karsten Socher/Creative KircheNew City Voices   © Karsten Socher/Creative Kirche

Jetzt ziehen wir uns zurück, um uns im Gemeindehaus einzusingen. Das Konzert geht hingegen weiter. Interessant zu beobachten ist das sehr aktive Dirigat, eine ständige non-verbale Kommunikation, oft geradezu ein Anfeuern. Auch das Publikum wird bei vielen Gospels mit einbezogen, beispielhaft bei „Down by the riverside“, was gut ankommt. Die Chorleiterin hat mit klaren Gesten Chor, wechselnde Solisten und mitsingende Besucher im Griff. Darüber hinaus übernimmt sie mehrere Soli selbst. Der Chor bietet eine gute, harmonische Leistung, wirkt auftrittserfahren und zieht das Publikum in seinen Bann. Schließlich wird er mit Applaus verabschiedet.

Auftritt „WeST-we sing together!“ (Beckum, Hamm, Herzebrock)

Den dritten Auftritt des Abends dürfen wir als „WeST-we sing together!“ bestreiten. Mal sehen, was geht, denn außer dem Einsingen haben die unter dem gemeinsamen Projektnamen startenden Mitglieder des Gospeltrains Hamm und des Rainbow-Gospelchors aus Herzebrock keine gemeinsame Probe gehabt. Da verlassen wir uns ganz auf unseren gemeinsamen Chorleiter Sebastian Wewer, der uns in unseren Heimatorten auf diesen Auftritt vorbereitet hat.

© trainarchivatorDie letzten Sekunden vor dem Auftritt. Toi, toi, toi!

Wir treten in schwarz auf, dazu bunte Schals; entweder die regenbogenfarbenen der Rainbows oder alte/neue Schals des Gospelkirchentags. Wirkt trotz der verschiedenen Modelle fröhlich und harmonisch. Chorleiter Sebastian nimmt das Publikum gleich für uns ein, indem er mit „Guten Abend, Braunschweig“ startet – einfach, aber wirkungsvoll. „Lasst uns singen“. Gesagt, getan. Mit „Come, let us sing“ geht es musikalisch los. Und wie! Ein Superstart mit der A-capella-Version. Ganz fein abgestimmt sind die Wechsel zwischen ein- und mehrstimmigen Passagen, die Lautstärkeunterschiede gelingen ausgezeichnet. Da sind wir selbst ein wenig überrascht.

Kaum sind von „I want to love you, Lord” die ersten Töne zu vernehmen, werden sie erkannt und man summt mit. Logisch, beim Gospelkirchentag sind natürlich viele Kenner unterwegs. Ein gelungener Vortrag.

„Burden down“ ist nach langer Zeit mal wieder im Repertoire; in einer aktualisierten Fassung. Bei der heutigen Premiere klingt der Song sehr sauber. Das einstudierte leichte in die Knie gehen beim Wort „down“ gelingt zufriedenstellend und verfehlt seine Wirkung nicht – das Publikum schmunzelt. In Sachen Präzision geht es zukünftig aber noch besser.

© trainarchivatorIn diesem Moment sind wir Teil der großen Braunschweiger Gospelfamilie

Auch mit dem Gospelklassiker „I’m gonna sing“ können wir gesanglich zufrieden sein, beim Klatschen jedoch gibt es noch ein wenig Trainingsbedarf.

„Jesus is right here“ kann ein echtes Highlight in einem Konzert sein, doch heute ist der Einsatz nur halbherzig. Auf einmal sind wir sind total verunsichert, und entgegen unserer üblichen Art bekommen wir das Stück heute nicht in den Griff. Im Chor ist sehr viel Unruhe, Nervosität und viele sind mehr mit sich selbst beschäftigt, als dass wir das Problem gemeinsam anpacken. Ganz ungewöhnlich. Die Einsätze bleiben bescheiden. Aber auch dieses Lied geht vorbei. Zum Glück haben wir ein sehr wohlwollendes Publikum.

Was nun passiert ist wieder absolut typisch: der Hebel wird mit Schwung umgelegt und beim Titel „In your arms“ erleben die Zuhörer, was wirklich in uns steckt. Ein Klassenunterschied zum zuvor gehörten Stück ist feststellbar. Die Männer klingen toll, die Abstimmung ist richtig fein. Große Erleichterung macht sich im Chor breit. Und das Publikum honoriert die sehr gute Leistung.

© trainarchivatorUnsere Männerstimmen sind heute in Form

Weiter geht es mit dem Song „Immanuel“, bei dem Danny als Solistin überzeugt. Zwar ist der Einsatz des Alt etwas verhalten, doch wir ziehen konsequent durch und bieten eine gute Gesamtleistung.

© trainarchivatorSolistin Danny im Einsatz

Der Gassenhauer „Heaven is a wonderful place“ dient der Erholung. Es sind keine besonderen Klippen zu umschiffen. Hier können wir die Energie einfach raus lassen. Die Menschen nutzen die Gelegenheit nach den „Zuhörsongs“ selbst mitzusingen.

Nun steht mit „The singer’s prayer“ eine vom Chorleiter geschaffene Kombination von Kompositionen Hans Christian Jochimsens auf dem Programm. Wir heben das Konzentrationslevel wieder an, um die Verschmelzung der Einzeltitel „Lord, hold me“, „I belong to you“ und „Loved“ zu einem harmonischen emotionalen Gesamtwerk zu machen. Klappt prima, wir fühlen uns mit diesem Stück merklich wohl, was offensichtlich auch im Auditorium spürbar ist.

© Karsten Socher/Creative KircheEin prächtiges Gesamtbild mit WeST!   © Karsten Socher/Creative Kirche

Als Segenslied zum Abschied singen wir „Sei behütet“. Die befürchteten Textschwächen gibt es nicht, wir sind längst im flow. So können wir zum Abschluss den Gästen der Gospelnacht noch mal eine weitere Facette der Gospelmusik präsentieren.

Damit ist unser Auftritt beendet. Insgesamt können wir recht zufrieden sein. Einige Highlights konnten wir setzen; besonders in den A-capella-Passagen. Die Besucher dürften sich gut unterhalten gefühlt haben – den einen schwächeren Beitrag hat man großzügig verziehen, wie der Applaus bestätigt. Nun werden wir uns zurücklehnen und dem letzten Chor der Gospelnacht unsere Aufmerksamkeit schenken.

Auftritt „Gospelfire“ (Hamburg)

Als letzter Chor der Gospelnacht in der St. Martinikirche betritt „Gospelfire“ aus Hamburg die Bühne. Bereits vor zwei Jahren sind wir beim Gospelkirchentag in Kassel mit diesem Chor in einer gemeinsamen Veranstaltung aufgetreten. Damals boten sie eine klasse Leistung, obwohl sie von krankheitsbedingten Ausfällen gebeutelt waren. Mal sehen, was sie heute zu bieten haben.

Schon nach wenigen Songs ist klar, dass dieser Chor verschiedenste Facetten der Gospelmusik im Repertoire hat. Sehr ausgewogen und harmonisch präsentieren sie sich dem Publikum. Sie beherrschen sowohl Soul als auch Action.

© trainarchivatorGospelfire aus Hamburg in der Gospelnacht

Für Teilnehmer, die auch in Kassel dabei waren, ist der Song „The promise“ ein Highlight. Im Mass-Choir-Workshop hatten wir mit Joakim Arenius an diesem Song gearbeitet; allerdings nicht bis zur Konzertreife. Man hatte nur eine Ahnung, wie sich das Stück „fertig“ anhören könnte. Jetzt wird es live in einer wunderbaren Veranstaltung gesungen und strahlt genau diese hypnotische Kraft aus, die man in ihm vermutet hatte. Gänsehaut pur.

Gegen Ende ihres Auftritts wird ein Michael-Jackson-Medley angekündigt. – Was hat dessen Musik bei einem Gospelkonzert zu suchen? Hoffentlich wird das nicht zu peinlich, wie so viele andere Jackson-Beiträge bei Musikveranstaltungen. – [einige Minuten später] – Hammer! Frisch und gekonnt kommt der Beitrag von Gospelfire daher. Sämtliche Befürchtungen wurden hinweggefegt!! Stimmlich und choreografisch hochklassig vorgetragen ohne showmäßig zu überziehen. Das begeisterte Publikum singt bei den weithin bekannten Hits textsicher mit und es gibt verdient Standing Ovations. Es bleibt die Erkenntnis: auch Michael-Jackson-Titel können Gospel sein. An Gospelfire: Mut bewiesen und gewonnen. Glückwunsch.

© Karsten Socher/Creative KircheGospelfire beim Michael-Jackson-Medley   © Karsten Socher/Creative Kirche

Zum Abschluss werden dem Publikum mit „Souled out“ (einstudiert mit Malcolm Chambers beim GoKiTa Kassel) und „Shackles“ (moderner Gospel-Pop) noch zwei echte Kracher geboten. Jetzt kocht St. Martini endgültig.

© Karsten Socher/Creative KircheStimmung zu Konzertende – ein Bild sagt mehr als viele Worte…
© Karsten Socher/Creative Kirche

Puh, was für ein Abend. Tolle Gospelmusik verschiedener Stilrichtungen gehört, unterschiedliche Präsentationen erlebt und auch noch selbst gesungen. Den Applaus noch im Ohr, begeben wir uns hinaus in die Nacht, um Richtung Hotel zu gehen. Man schwappt noch über angesichts der vielfältigen Eindrücke des heutigen Tages mit der Eröffnungsveranstaltung auf dem Schlossplatz und der soeben zu Ende gegangenen Gospelnacht.

Und das war erst der Auftakt des diesjährigen Gospelkirchentags in Braunschweig. Es ist schon abzusehen, dass die Nacht kurz werden wird. Wenig Zeit, um runterzufahren. Müssen wir halt ein wenig schneller schlafen. Morgen geht es dann mit dem Mass-Choir-Workshop weiter.

Teil 4 folgt

Gospelkirchentag 9.-11.9.2016 Teil 2 – Die Eröffnungsveranstaltung

© Creative KircheUm 17 Uhr soll die zentrale Eröffnungsfeier des 8. Inter-nationalen Gospelkirchentages beginnen. Zum Braunschweiger Schlossplatz sind es von unserem Hotel aus nur wenige Minuten zu Fuß. Bei herrlichem Sommerwetter erreichen wir den Veranstaltungsort vor den Schlossarkaden, dem großen Braunschweiger Einkaufszentrum. Dieses sieht aus wie ein Schloss, doch es handelt sich nur um eine rekonstruierte Scheinfassade.

© trainarchivator Festivalplatz vor den Schlossarkaden

Das erste Residenzschloss von 1717 brannte 1830 ab, das zweite Schloss wurde im Zweiten Weltkrieg durch Luftangriffe schwer beschädigt und 1960 abgerissen ab (ein in Westdeutschland einmaliger Vorgang). Jahrzehnte bestand auf der Fläche ein Park, bevor dort ab 2005 ein neues Hybridgebäude entstand, das ein großes Einkaufszentrum beherbergt und einen Teil des zweiten Schlosses optisch rekonstruiert. Dieser Teil wird kulturell genutzt. Dort sind u.a. die Stadtbibliothek und das Schlossmuseum untergebracht. (©Infos aus WIKIPEDIA)

CC BY-SA 3.0Schlossneubau Jun 2006   (CC BY-SA 3.0)

Auf der Bühne ist schon etwas los. Der „Gospelchor Braunschweig“ unter Leitung von Eggo Fuhrmann bestreitet den Auftakt und hat die Aufgabe das Publikum in Stimmung zu bringen. Das gelingt prima, zumal das Publikum sehr aufgeschlossen ist. Der Platz ist schon ordentlich gefüllt, doch viele Besucher sind noch im Anmarsch.

© Creative KircheDer Gospelchor Braunschweig sorgt für einen gelungenen Auftakt
© Karsten Socher/Creative Kirche

© trainarchivatorDer Platz füllt sich beim Auftritt des ersten Chores

© trainarchivatorRund um den Platz sind Zelte aufgebaut, in denen der Markt der Möglichkeiten seine Angebote präsentiert. Kirchliche und weltliche Anbieter präsentieren sich und ihre Angebote, wobei es immer um Werte geht, die durch den Gospelkirchentag gefördert werden sollen. Es geht um fairen Handel, Solidarität mit der Dritten Welt, Umweltschutz und nachhaltige Produktions-bedingungen. So ist es nur logisch, dass Fair-Trade-Produkte im Angebot sind oder sich Brot für die Welt präsentiert. Außerdem kann man sich den aktuellen Gospelschal besorgen oder mit CDs und Noten eindecken.

Unerwartet steht Matthias Kleiböhmer vor uns, der bei der Creativen Kirche als Mitveranstalter (neben der Ev-luth. Landeskirche Braunschweig) für die Organisation des Gospelkirchentags verantwortlich ist. Wetten, dass er in diesem Moment aufgeregt ist und sich fragt, ob alles so läuft wie geplant und gewünscht? Beim Smalltalk ist bei allen die Vorfreude spürbar.
http://www.creative-kirche.de/

© trainarchivatorKurzes Hallo mit Matthias Kleiböhmer

© trainarchivatorEndlich Gospelkirchentag – viele sehen’s wie unser „Boss“

Nachdem der Gospelchor Braunschweig seinen Auftritt beendet hat, erfolgt die offizielle Gospelkirchentagseröffnung und die Begrüßung der Gäste. Bischof Christoph Meyns und der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil werden von einem Moderator interviewt, heißen die Gäste zum Gospelkirchentag willkommen und äußern sich zu Ihrer Beziehung zur Gospelmusik.

© trainarchivatorBischof Christoph Meyns und der niedersächs. Ministerpräsident Stephan Weil

Auf einmal sind sie da! Merkwürdige Gestalten mischen sich unter die vielen Besucher, machen Faxen und dienen als Fotomotiv. Es sind die Gospelmännchen, die man bisher nur vom Gospelkirchentagslogo und den Gospelschals kannte. Jetzt können sie sich vor Selfie-Wünschen kaum retten. Sie machen alles mit – gehört wohl zur Arbeitsplatzbeschreibung. Ob das ein Traumjob ist, bei den hochsommerlichen Temperaturen?

© trainarchivatorDie Gospelmännchen – vom Logo in die Wirklichkeit

Weiter geht es mit Musik. „Undivided“ aus den USA betreten die Bühne. Vielen ist die A-capella-Gruppe bekannt. Da sind Könner am Werk, das merkt man gleich. Die Stimmung ist sowieso bestens, man hört zu und tanzt teilweise schon. Weitere Ankömmlinge werden begrüßt oder man besorgt sich ein Kaltgetränk. Am Ende des Auftritts werden die Sänger vorgestellt, und angesichts ihrer z.T. spanisch-sprachigen Herkunftsländer wird der letzte Song in Spanisch gesungen – für Gospel ungewohnt aber reizvoll.
www.youtube.com/watch?v=2iOzZxGWOHI

© trainarchivator   „Undivided“ – ein Highlight der Eröffnungsveranstaltung

© trainarchivatorGesprächsrunde mit Pröpstin Uta Hirschler und Bürgermeister Ulrich Markurth

Gegen 19 Uhr steht jetzt mit dem „Chor der Nationen“ ein ganz besonderes Projekt auf dem Programm. Gut 50 Braunschweiger Jugendliche der Klassen 5 bis 10 haben einen gemeinsamen Auftritt mit Cassandra Steen. Dabei vertreten sie verschiedenste Nationen, aus denen ihre Familien stammen oder für die sie Sympathien haben. Unter Leitung von Gerd-Peter Münden, Leiter der Domsingschule Braunschweig, haben die Jugendlichen ein Programm einstudiert. Höhepunkt ist Steens Hit „Ich bau ’ne Stadt für dich“, den viele Besucher textsicher mitsingen, was für die Jugendlichen sicher ein tolles Erlebnis ist. Das ganze Projekt soll ein Zeichen setzen für ein buntes Braunschweig, das Heimat von Menschen unterschiedlicher Herkunft ist.
www.youtube.com/watch?v=65_vjKKhWQo&list=PLStCpPlpPtNgYbOua1ZZYBRturUjcZWVm&index=3

© trainarchivatorJugendliche in T-Shirts mit Flaggen ihrer Herkunfts- oder Sympathieländer

Mit den „Soulteens Langenberg“ stehen im Anschluss erneut Jugendliche auf der Bühne. Im Gegensatz zum Chor der Nationen, für die alles neu war, merkt man diesen SängerInnen ihre größere Bühnenerfahrung an. Keck, selbstbewusst und originell zeigen sie den überraschten Zuhörern, was sie drauf haben – eine ganze Menge, was mit begeistertem Applaus belohnt wird.

© trainarchivatorDie „Soulteens Langenfeld“ zeigen den alten Hasen wie’s geht

Zum Abschluss der Eröffnungsveranstaltung kommen Joakim Arenius und „Praise Unit“ aus Schweden auf die Bühne. Sie bieten tanzbare Gospelsongs in verschiedenen Facetten aktueller Popmusik. Der Funke springt schnell über, zumal alle anderen Formationen gute Vorarbeit geleistet haben.

© Creative KircheJoakim Arenius und mit Praise Unit geben richtig Gas   © Creative Kirche

Den Auftritt können wir nicht bis zum Ende miterleben, denn gleich beginnt die Gospelnacht mit einem eigenen Auftritt in der St.Martinikirche. Wir machen uns rechtzeitig auf den Weg – sozusagen von einem Highlight zum nächsten.

Teil 3 folgt.

Gospelkirchentag 9.-11.9.2016 Teil 1 – Ankunft in Braunschweig

© Creative KircheDrei…Zwei…Eins…Los – heute ist der große Tag! Es geht nach Braunschweig zum 8. Internationalen Gospelkirchentag. 17 Gospeltrainer aus Hamm, 21 Mitglieder des Rainbow-Gospelchors (Herzebrock) und unser gemeinsamer Chorleiter Sebastian Wewer nehmen an diesem Großereignis der Gospelmusik teil, welches alle zwei Jahre stattfindet. Gemeinsam treten wir in der Gospelnacht auf; wie immer bei solchen Kooperationen unter dem Namen „WeST – We sing together!“

© trainarchivatorDiese Truppe startet in Hamm per Zug

Die Anreise erfolgt in Kleingruppen, je nach persönlichen Bedürfnissen. Ein „richtiger“ Gospeltrainer nimmt natürlich den Zug 😉 Kaum gestartet, haben viele sofort das Handy in der Hand. Unser Gruppenbild ist schon im Netz, „Bossin“ Christa meldet sich über ein soziales Netzwerk und wünscht alles Gute. Es ist Zeit genug, um das Veranstaltungsprogramm und den Stadtplan zu studieren. Neben einigen Fixpunkten kann jeder Teilnehmer sein individuelles Wunschprogramm zusammenstellen.

© trainarchivator Programmstudium – welche Veranstaltung möchtest du besuchen?

Auf der Fahrt gibt’s schon reichlich Musik: eine Reisegruppe nicht mehr ganz junger Männer hört Rocksongs ihrer Jugend. Deren Alkoholpegel ist noch im Rahmen (ist ja auch erst gegen 9 Uhr), doch die Lautstärke ist schon kurz vor dem Anschlag. Wir sind hart im Nehmen. Außerdem werden wir in nächster Zeit jede Menge Gospelmusik auf die Ohren bekommen oder gar selber singen.

© trainarchivatorSo sieht Vorfreude aus

Die Fahrt vergeht reibungslos und die Spannung steigt. Dass in Braunschweig ein besonderes Wochenende vor der Tür steht, verkündet man ahnungslosen Reisenden schon direkt im Bahnhof. Warnung oder Angebot?

© trainarchivatorEine Laufschrift kündigt den Gospelkirchentag an

Aus dem Bahnhof raus und direkt in die Straßenbahn hinein. Kein langes Fragen und Kleingeldzählen. Die Veranstalter waren weitsichtig; die Nutzung des Nahverkehrs ist im Festivalticket eingeschlossen. Dass die Zielhaltestelle direkt am Hotel liegt, ist das Sahnehäubchen obendrauf.

© trainarchivatorGut angekommen im City-Hotel nahe der Innenstadt

Wir checken ein und entdecken dabei ein großes Display mit Wetterdaten. Au weia – wer’s so warm mag, strahlt mit der Sonne um die Wette. Die anderen müssen kämpfen und durchhalten.

© trainarchivator    11.36 Uhr fast 26 Grad – und echt heiße Aussichten

Wir Zugfahrer haben noch einige Stunden Zeit, bis wir uns nachmittags mit anderen WeST-lern im Hotel treffen wollen, um gemeinsam zur Eröffnungsveranstaltung zu gehen. Bis dahin werden wir uns ein wenig die Beine vertreten und einen ersten Eindruck von der Stadt bekommen. Nach wenigen Metern sind wir in der Altstadt mit ihrer verzweigten Fußgängerzone. Wir erreichen den Kohlmarkt, der uns gleich gut gefällt.

©Igge (Multi-license with GFDL and Creative Commons CC-BY-SA-2.5)Kohlmarkt ohne Gospelkirchentag (11.09.2006)
©Igge  (Multi-license with GFDL and Creative Commons CC-BY-SA-2.5)

Historische Häuser verschiedener Epochen, geschäftiges Treiben und ein großes Angebot an Außengastronomie. Nach der Anreise haben wir Kaffegelüste und finden Platz für alle mit Blick auf den Platz. Bei Kaffee und Kuchen lassen wir es uns gut gehen. Spaß und Geselligkeit gehören bei uns immer dazu.

© trainarchivator„Dolce Vita“ für zwei Gospeltrainerinnen

© trainarchivatorFrisch gestärkt machen wir uns auf in Richtung Dom, der zu den größten Sehenswürdigkeiten Braunschweigs zählt. Der Weg führt an vielen gut erhaltenen Fachwerk-häusern vorbei, und bald erreichen wir das mächtige romanische Bauwerk.

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© trainarchivatorSüdseite des Domes

Wir besichtigen den Dom (Baubeginn 1173) und sind beeindruckt von Architektur, Bemalung und  kunstvoller Ausstattung. So eine Besichtigungstour vermittelt einem einen guten Zugang zu einer bis dahin unbekannten Stadt.

© trainarchivatorLeuchter von 1188, fast 5 Meter hoch

Auf dem benachbarten Platz der Deutschen Einheit treffen wir auf drei Brautpaare, die zuvor hier im angrenzenden Rathaus getraut wurden. Bedauerlicherweise ist unser Gospeltrainer Sebastian nicht anwesend – sonst wäre jetzt die Gelegenheit für ein Gospelständchen gewesen. Weiter geht es auf den Burgplatz, einem sehenswerten Ensemble on Baudenkmälern.

©Viteunic CC BY-SA 3.0Burgplatz mit Burg Dankwarderode, Braunschweiger Löwe, Rathausturm und Dom (27.9.2011)     ©Viteunic  CC BY-SA 3.0

© trainarchivatorBühnenbau zu Füßen des Braunschweiger Löwen

© trainarchivatorAuf dem Burgplatz wird eine Bühne aufgebaut, auf der morgen acht Gospelchöre nacheinander auftreten werden. Auf zwei weiteren Citybühnen (Schlossplatz, Kohlmarkt) gibt’s ebenfalls Gospel satt. Über das Programm informieren Plakatsäulen an mehreren Stellen in der Innenstadt. Da werden Interessierte wohl die Qual der Wahl haben angesichts des riesigen kostenfreien Angebots.

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Zurück auf dem Kohlmarkt, sehen wir hinter dem Gewandhaus versteckt erstmals die St.Martini-Kirche, in der wir heute Abend im Rahmen der Gospelnacht unseren Auftritt haben.

© trainarchivatorDie St.Martinikirche erwartet uns

Jetzt gilt es erst mal sich zu stärken, denn wenn der Gospelkirchentag erst eröffnet ist, geht es Schlag auf Schlag mit den Programmpunkten. Zum Glück gibt’s Angebote genug – vom Brötchen auf die Hand bis zum gepflegten Restaurant. Einige von uns entscheiden sich für ein Essen „Ut’n grooten Pott“, eine Suppenbar auf dem Kohlmarkt.

© trainarchivatorBraunschweiger Linsensuppe: lecker und eine gute Grundlage für Kommendes!

© trainarchivatorAuch auf dem Kohlmarkt laufen Vorbereitungen für den morgigen Gospel-Konzert-Marathon

Ein Blick auf die Uhr verrät, wir sollten uns jetzt in Richtung Hotel begeben, um uns in Auftrittsgarderobe zu werfen und mit anderen Aktiven zu treffen. Dann geht es zur Eröffnungsveranstaltung des Gospelkirchentags auf dem Schlossplatz.

© trainarchivatorInzwischen sind auch einige Autofahrer eingetroffen

Teil 2 folgt.

Gospelkirchentag 9.-11.9.2016 – wir kommen

© Creative KircheGleich geht es los. Wir sitzen „auf gepackten Koffern“. In wenigen Minuten begeben wir uns zum Bahnhof, um uns nach Braunschweig aufzumachen. Mit im Gepäck Vorfreude und Spannung darauf, was uns wohl erwarten wird. Auf jeden Fall ist das Programmheft voll mit Angeboten für jeden Geschmack – Wir müssen nur auswählen. Und singen, singen , singen. Heute Abend in der Gospelnacht haben wir unter dem Namen WeST – We sing together! sogar einen eigenen Auftritt in der St.Martinikirche, einer großen Stadtkirche. Also los, mein „Taxidienst“ zum Bahnhof kommt gleich…

© Creative KircheVolles Programm für Gospelfreunde   © Creative Kirche

Gospelkirchentag 9.-11.9.2016 in Braunschweig ruft

© Creative KircheDie Ev.-lutherische Landeskirche Braunschweig lädt in Kooperation mit der Stiftung Creative Kirche und anderen zum 8. Internationalen Gospelkirchentag ein. Viele Gospeltrainer werden dem Ruf folgen, um sich das reichhaltige Programm rund um das Thema Gospel nicht entgehen zu lassen.
www.gospelkirchentag.de

© Sebastian WewerAm Freitag werden wir nach der Open-Air-Eröffnungsveranstaltung in der anschlie-ßenden Gospelnacht einen eigenen Auftritt haben. Wie auch bei anderer Gelegenheit werden wir, wenn nicht der ganze Gospeltrain beteiligt ist, mit SängerInnen eines befreundeten Chores (diesmal „Rainbow Gospelchor“ aus Herzebrock) unter dem Namen WeST! (=We sing together!) auftreten.

Gemeinschaftskonzert in der St.Martinikirche, 20.30Uhr
An der Martinikirche 10, 38100 Braunschweig
martiniforte/Braunschweig
New City Voices/Neustadt am Rübenberge
WeST – We sing together/Beckum
GospelFire/Hamburg

Ein Highlight wird, wie bei früheren Gospelkirchentagen, der Mass Choir Workshop am Samstag mit mehreren tausend Aktiven werden. Vier Chorleiter/Komponisten möchten mit uns arbeiten und uns ihre Kompositionen/Arrangements beibringen, unterstützt von professionellen Sängern und Musikern.
Nachmittags besteht die Gelegenheit, sich sein Programm individuell zusammenzustellen. Was darf es ein? Teilnahme an einem Workshop zu verschiedensten Themen rund um die praktische Arbeit in und mit einem Gospelchor? Oder lieber ein Konzert? – Zum Zuhören oder Mitsingen, mit Gospelchören ganz unterschiedlicher Art.
Beim abendlichen Galakonzert können wir amerikanische und europäische Größen der Gospelmusik live erleben (Israel & New Breed/USA, Oslo Gospel Choir(/NOR).

Sonntags findet der Festivalgottesdienst als Open-Air-Veranstaltung statt. Danach geht es erneut in den Mass Choir Workshop. Bevor wir schließlich angefüllt mit vielen neuen Eindrücken nach Hause fahren, wird es einen gemeinsamen Abschluss geben.

Mit den Erfahrungen der Teilnahme an den Gospelkirchentagen 2012 in Dortmund und 2014 in Kassel steht so gut wie fest:

  • Es wird anstrengend
  • Es wird informativ und lehrreich
  • Wir werden viele Eindrücke und neue Impulse mitnehmen
  • Wir werden uns von Liveerlebnissen begeistern lassen

Und

  • 2018 sind wir – vielleicht – wieder dabei

Gospel-Chormusical „Amazing Grace“ Thema im TV

Heute haben wohl viele Gospelfreunde eine E-Mail von der „Creativen Kirche“ erhalten. Darin wird ein Fernsehbeitrag angekündigt, der vielleicht für den einen oder anderen interessant sein könnte. Es geht um das Chormusical „Amazing grace“, dass beim Gospelkirchentag in Kassel uraufgeführt wurde und bei dem viele Gospeltrainer live dabei waren.

SWR-Fernsehen
Frank Elstner „Menschen der Woche“
Sa 07.02.2015, 21.50 Uhr

© Creative Kirche© Creative Kirche

http://www.creative-kirche.de/
http://www.amazing-grace.de/

Gospelkirchentag Kassel – Teil 4 Nachmittag mit Workshops und Konzerten

© Creative Kirche, Witten

© Sebastian WewerDer Mass Choir Workshop liegt hinter uns. Jetzt erst mal raus an die frische Luft. Der Kopf schwirrt noch von den vielen Eindrücken, auch ein leichtes Schweben ist noch spürbar. Jetzt trifft man auch so manchen wieder, der in der Halle im Block einer anderen Stimme gesessen hat. Also tauscht man sich aus, gönnt sich erst mal zur Erfrischung ein Kaltgetränk oder macht Erinnerungsfotos. Wie geht aber der Tag weiter?

© trainarchivatorEinige Ahlener Kollegen von CHORios zwischen Mass Choir und Aufbruch

Nachmittags stehen in der Innenstadt einerseits Workshops auf dem Programm, andererseits gibt es auf Open-Air-Bühnen und in Kirchen Konzerte. Wofür entscheidet man sich? Mancher hat schon zu Hause das umfangreiche Programmheft studiert und einen persönlichen Plan. Andere überlegen noch oder suchen Begleiter für die nächsten Stunden. Nach und nach lassen wir uns mit den schier zahllosen Einsatzbussen zum Auestadion chauffieren, von wo aus die Tram in die Innenstadt fährt. Sehr praktisch, dass im Ticket für den Gospelkirchentag gleich die Fahrkarte für den Nahverkehr eingeschlossen ist. Man mag sich gar nicht vorstellen, wenn tausende Ortsunkundige versuchen ein fremdes Tarifsystem inklusive Netzplan zu verstehen oder zu erfragen – Chaos! So jedoch geht alles ganz easy.

© trainarchivatorNoch ganz friedlich – wenige Minuten später unser Musik-Express

In der Tram herrscht gute Stimmung. Sind wir eigentlich alle Gospelkirchentagsbesucher oder haben sich tatsächlich Einheimische unter uns gemischt? Schlüsselbänder mit Tickets, die Regenbogenschals der Aktion „Gospel für eine gerechtere Welt“ und vielerlei Chorkleidung lassen uns fast wie eine geschlossene Gesellschaft erscheinen. Kein Wunder also, dass gleich ordentlich mit eingestiegen wird, als jemand ein Lied anstimmt. Dass die Mitsingenden verschiedenen Chören angehören macht sich gar nicht bemerkbar – haben wir doch soeben mehrere Stunden des gemeinsamen Singens und aufeinander Hörens hinter uns gebracht. Die meisten steigen am heute wieder mit der Bahn erreichbaren Königsplatz aus, der gestern aufgrund der Auftaktveranstaltung nicht angefahren wurde. Hier trennen sich jetzt unsere Wege.

In den Workshops wird so ziemlich jedes Thema rund um Gospel behandelt. Da findet jeder ein passendes Angebot – ob Praxis oder Theorie, für Anfänger oder Fortgeschrittene. Man kann lernen und ausprobieren, Kontakte knüpfen und sich Anregungen holen. Mancher hat bei der Auswahl ein ganz bestimmtes Thema im Sinn, anderen ist es wichtiger mit bestimmten Leuten gemeinsam etwas zu unternehmen. Die Dozenten sind jeweils Fachleute aus dem entsprechenden Bereich.

Konzerte gibt es sowohl auf Open-Air-Bühnen als auch in Kirchen der Innenstadt. Das Programm ist bunt gemischt, deutsch und international. Eine Besonderheit stellt die Hessenbühne auf dem Opernplatz dar, wo die Veranstalter den hessischen Chören eine Präsentationsmöglichkeit geben, und wo sich das Publikum eine Übersicht über die Gospelszene des Landes verschaffen kann. Außerdem finden mehrere Offene Gospelsingen mit namhaften musikalischen Leitern statt – just for fun, um selbst aktiv zu werden

Wir trennen uns also und streben verschiedenen Zielen zu. Ich habe mich mit Ankie zusammengetan und wir wollen zu „Groove im Chor“. Da sich der Weg zum Veranstaltungsort einigermaßen zieht und die Zeit drängt, steigen wir spontan wieder in eine Tram, die direkt vor der Tür des Zieles hält. Super. Rechtzeitig geschafft. Hoffentlich ist der Workshop nicht überfüllt, so dass wir draußen bleiben müssen, wie ich es einmal beim letzten Gospelkirchentag in Dortmund erlebt habe. Aber nichts da – wir gehören zu den Ersten. In den Minuten bis zum Beginn strömen noch viele Leute in den kleinen Saal; immer schwungweise, so wie die Trams ihre Ladung vor der Tür abliefern. Jetzt sind wir mal gespannt, was jetzt passieren wird.

Leiter des Workshops ist Martin Carbow. Nach Auskunft des Programmheftes arbeitet der Vocal-Coach u.a. als Chorleiter und Arrangeur. Carbow stellt sich kurz vor, alles im lockeren Plauderton. Der wird sich auch die folgende Stunde nicht ändern – egal, was wir jetzt auch machen. Genau genommen weiß niemand, wie der Workshop ablaufen soll. Wir singen ein bisschen. Außerdem wird gestampft, geklatscht und geschnippt. Wann geht es endlich richtig los?! Bin ein bisschen verwirrt. Jetzt wird etwas vom Laptop an die Wand geworfen: „Beat im Körper verankern“. Okay, das können wir nachvollziehen, das haben wir gerade gemacht. Immer noch ein wenig Verwirrung. Neue Übung, eine kleine Melodie auf ha-ha-ha. Jetzt dasselbe auf he-he-he. Wirkt vollkommen anders. Anschließend auf ho-ho-ho. „So, jetzt singt wie Fußballfans“. Aus dem Singen wird eher ein Rufen. „Eure Mannschaft hat gewonnen“. Das Rufen bekommt einen eigenartig selbstbewusst-machomäßigen Unterton. „Ihr habt das eine oder andere Bier getrunken“. Jetzt klingt es eher gegröhlt, die Lautstärke ist deutlich erhöht. „Es ist Euch scheißegal, ob Euch einer hört!“ Uih, das geht aber ab. Gut, dass mich in Kassel keiner kennt! Wie mag sich dieser Lärm wohl für andere im Gebäude befindliche Personen anhören.
Was das alles soll? Allmählich dämmert uns das didaktische Konzept. Schon winzige Veränderungen können eine große Wirkung haben. Das haben wir soeben mehr als deutlich gespürt; es v.a. nicht vorgeführt bekommen, sondern mit dem eigenen Körper erlebt. An der Wand zeigt uns die Projektion inzwischen die vier Schritte zum perfekten Groove. Angesichts der Fachbegriffe sind wir geschockt, verstehen als Nicht-Musikstudenten nur Bahnhof. Carbow beruhigt uns. „Alles was zum perfekten Groove gehört, kennt Ihr längst.“ Stimmt. Es muss uns nur an lebendigen Beispielen deutlich vor Augen geführt werden. Carbow nutzt witzige und schräge Bilder, um uns die musiktheoretischen Inhalte praktisch vorzuführen. Beim Thema Groove werde ich ab sofort immer an Einkaufswagen und Gummimatten denken – die Insider wissen Bescheid.

© trainarchivatorCarbow genießt es uns mit Fachbegriffen zu schocken – alles halb so wild

Am Ende des Workshops haben wir so manchen Aha-Effekt erlebt. Wir wissen, dass man durch winzige Abweichungen vom Stammrhythmus eine besondere Dynamik und Spannung erzeugen und beim Publikum geradezu eine Erwartungshaltung wecken kann. Außerdem hat es echt Spaß gemacht mit netten Leuten viele verrückte Dinge ausprobiert zu haben.
Als wir den Saal verlassen, starren uns etwas irritiert viele Leute an, die bei der Wiederholung des Workshops dabei sein wollen. Was die sich wohl angesichts der Geräuschkulisse gedacht haben mögen? Das letzte Lied war übrigens ein Weihnachtslied. Im September!

© Creative Kirche365 Tage Badewetter – Dusche am Nachmittag….………………….© Creative Kirche

Der Regen, der zwischenzeitlich niedergegangen war, hat inzwischen aufgehört. Mit der Tram fahren wir ohne besonderen Plan zurück zum Königsplatz. Dort herrscht eine heitere Stimmung. Die Sonne ist inzwischen rausgekommen und auf der Bühne gibt’s Livemusik. Noch sind Ten Sing aus Hessen aktiv, dann folgt der Auftritt von Gospel Connection aus Bremen – klasse.

© Creative KircheGospel Connection auf der Bühne auf dem Königsplatz………….© Creative Kirche
http://www.youtube.com/watch?v=rq5wsMz7gcU&list=UUtn9ykXa8dXSOrG_i5EHKww

Wir lassen uns ein wenig treiben, wie so viele andere auch. Schließlich gönnen wir uns eine warme Mahlzeit vom Imbiss, hören Musik, plaudern ein wenig und genießen einfach das hier und jetzt. Als das Chris Lass Trio startet, denken wir das erste Mal daran, dass nachher der Musicalbesuch ansteht. Wie lange werden wir bis zur Rothenbachhalle brauchen? Schwer einzuschätzen. Auf den letzten Drücker wollen wir nicht kommen, denn wir möchten die Aufführung gerne im Kreise unserer Lieben erleben. Noch ist allerdings Zeit.

© trainarchivatorGospelkirchentag live auf dem Königsplatz – alles passt

Inzwischen fahren die ersten Trams mit dem Hinweis „Einsatzwagen Auestadion“. Die Verkehrsbetriebe haben ordentlich Betriebsmittel auf Schiene und Straße gebracht, um einige Tausend Menschen von der Innenstadt zum Messegelände zu transportieren. Irgendwann steigen wir ein. Und schon an der nächsten Station wieder aus. Vom Opernplatz klingt die Musik zu verlockend. Auf der Bühne singt gerade die Kurhessische Kantorei „Joy of Life“ aus Marburg. Herrlich swingend. Im Schnitt sind die gesanglichen Fähigkeiten höher als beim Gospeltrain, viele sicher mit Soloqualitäten. Im Laufe des Auftritts wird der Chor aber immer klassischer, immer jazziger. Das gefällt Ankie und mir dann weniger gut. Da ist der gute alte Train unserer Meinung nach wieder im Vorteil. Bei uns ist mehr Leben drin, mehr Gospel, irgendwie echter und authentischer.

© trainarchivatorDie Hessenbühne auf dem Opernplatz, unter dem Denkmal von Louis Spohr

  • Von Louis Spohr weiß das HNA-Regiowiki zu berichten, dass dieser ein Komponist und Dirigent war, zeitweise Hofkapellmeister in Kassel und neben Paganini einer der berühmtesten Violinvirtuosen seiner Zeit war. (HNA= Hessische/Niedersächsische Allgemeine). Also ganz große Kunst.

Dann können wir uns jetzt auch auf den Weg zur Rothenbachhalle machen. Aber wen sehen wir da an der Haltestelle? Birgit und Danny, die uns begeistert von ihrem Workshopbesuch erzählen. Die beiden, die bei uns auch Soloparts übernehmen, waren in Sachen Stimmbildung unterwegs. In ihrem Workshop haben sie wohl unglaublich viel Input bekommen, was die Zusammenhänge bei der Lautbildung und die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten angeht. So vergeht die Fahrt zur Halle bei interessanten Erzählungen über die Erlebnisse des Nachmittags.

Mehr zur Musicalaufführung „Amazing grace“ in Teil 5.