Nachbesprechung Chorfreizeit Eversberg 06.-08.09.2019 – Teil 2

Heute Morgen ist es deutlich kühler, wolkenverhangen und es hat wohl geregnet. Dennoch kommen wir bei einem ausgiebigen Frühstück gut in den Tag. Es ist zuvor die Anregung ausgegeben worden, sich gezielt immer wieder in anderen Tischrunden zusammen zu setzen, damit man nicht immer nur mit denselben Leuten ins Gespräch kommt. Diese Idee wird von vielen gerne aufgegriffen.

© trainarchivatorSchon beim Frühstück um 8 Uhr gute Laune

Um 9.30 Uhr steht die erste Probe des Tages an, bei der es zunächst um das soziale Miteinander gehen soll. Alle bekommen ein Namensschild, denn einige tun sich mit den Namen etwas schwer – speziell, wenn es um die Leute aus anderen Stimmen geht. Für unsere Neulinge ist es umso schwieriger, so viele Leute neu kennen zu lernen. In mehreren spielerischen Runden mit immer neuen persönlichen Kontakten stellen wir einander vor und beantworten Fragen (Name, Persönliches, seit wann bist du im Chor?)

Für das Einsingen nehmen wir uns Zeit. Ältere und neuere Übungen wechseln einander ab. Beim Lippen flattern lassen werden neuerdings „wiehernd“ Töne erzeugt. Wir reden dann von großen und kleinen Pferden – eine tolle Vorlage für ausgelassenes Gelächter. Auch unsere Gesichtsgymnastik lädt zu verschiedenen Albernheiten ein. Schließlich sind alle locker und eingesungen, haben ein Lächeln im Gesicht. So kann der Chorleiter mit uns arbeiten.

Weiter geht es mit Übungen im Kreis, wobei es um das Aufeinander hören geht, um Tonhöhe und Rhythmus. Gleich fällt auf, wer nicht ganz bei der Sache ist, denn sofort stimmt der Einsatz oder die Tonhöhe nicht – ein ganz einfacher Lerneffekt.

© trainarchivatorIm Trainingslager

Jetzt wollen wir mal sehen, was vom Afro-Gospel „Mayenziwe“ noch hängen geblieben ist, den wir uns bereits gestern zwecks Auffrischung vorgenommen haben. – Chorleiter Sebastian Wewer darf erleichtert feststellen, dass sein gestriger Einsatz nicht folgenlos geblieben ist: sein „lovely Gospeltrain“ hat offensichtlich gut zugehört und ruft nun die neu erarbeiteten Details ab. Okay, noch nicht perfekt, doch man erkennt deutlich, wohin es gehen soll.

Bei „Come on and sing“, einem neu ins Repertoire aufzunehmenden Song, ist der Klang schon ganz prima, so dass unser Gospel-Trainer das Singtempo ordentlich anzieht und das Klatschen mit uns übt. Perfekt einstudiert könnte dies irgendwann mal den schwungvollen Auftakt zu einem Konzert darstellen.

© trainarchivatorGospeltrain – Singen mit Spaß

Die folgende Pause haben wir uns richtig verdient. Eine heute erst angereiste Gospeltrainerin hat frischen Pflaumenkuchen mitgebracht, den man in kleinen Stücken direkt auf die Hand nehmen kann. Zudem hat irgendjemand Kaffee gekocht. Typisch Gospeltrain!

Nun steht „Aaron’s blessing“ auf dem Probenplan. Zwar haben wir uns schon vor Jahren mit diesem Stück beschäftigt, doch es nie vollständig bis zur Auftrittsreife einstudiert. Nun fangen wir komplett von vorne an, denn damals waren einige heutige Gospeltrainer noch gar nicht an Bord. Passage für Passage arbeiten wir uns voran. Wichtig ist uns, Verständnis für den Text zu entwickeln, wobei uns unser „Chef“ durch Mimik und Gestik wertvolle Hilfestellung bietet. Vor allem bei der Vokabel „shine“ scheint er den Raum mit einem ansteckenden Strahlen auszufüllen. Aha, das kapiert jeder.

© trainarchivatorVor dem musikalischen Ausdruck kommt das Textstudium

Nach einigen Durchläufen lässt die Konzentration nach und wir wechseln hinüber zum musikalisch einfacheren Stück „Sandyland“. So schlicht es von seiner Grundstruktur ist, so einfach kann es zum Kanon entwickelt oder durch Klatschen aufgepeppt werden. Diesbezüglich ist der Gospeltrain mit seinem Chorleiter sehr gut aufgestellt, denn dieser – scherzhaft manchmal auch der „Beschleuniger“ genannt – hat schon manchem schlichten Song durch Tempowechsel, Klatschen, Solopassagen oder besondere Details eine ganz eigene musikalische Handschrift verpasst. Nach diesem kleinen Exkurs geht es zurück zu steht „Aaron’s blessing“, wo das Einstudieren weiterer Passagen ansteht.

© trainarchivatorSo soll das klingen? – Hier muss noch Überzeugungsarbeit geleistet werden

Meine Güte! Das dauert wieder mal, bis die Leute ihre Noten und Texte für das nächste Lied raus gekramt haben! Wie üblich klimpert der Chorleiter irgendwas auf dem Klavier, um seine Probenbereitschaft anzuzeigen. Aber was spielt der da? Häufig ist es irgendein Stück für einen Gottesdienst. Aber heute?? Als wir das Stück erkennen, singen wir Gospeltrainer „Tochter Zion“, während draußen dichter Nieselregen niedergeht. Vor manchem geistigen Auge geht der Regen in Schnee über und wir genießen die vorweihnachtliche Stimmung – Anfang September! Chorleiters Meinung: Ihr seid bekloppt; dem ist nichts hinzu zufügen.

© trainarchivator„Chef“ ist bei uns nur einer

Endlich halten alle die Noten für die Hymne „Order my steps“ in den Händen, die wir – die Älteren unter uns werden sich erinnern – erstmals 2007 vom Dortmunder Chor Joyful! bei einem Gemeinschaftskonzert in unserer Herz-Jesu-Kirche Hamm-Norden in Form eines beeindruckenden Vortrags gehört haben. Das wollten wir auch können, und nach längerer Zeit und viel Arbeit konnten wir diesen Song in unser Repertoire aufnehmen. An diesem Wochenende wollen wir uns mit den vielen kleinen Details beschäftigen, die irgendwann in der Routine untergegangen sind, die aber gerade das Spezielle dieser Komposition ausmachen. Hier kommt die Stärke unseres Chorleiters zum Tragen, der eine bildreiche Sprache pflegt, wenn er uns vermitteln möchte, in welcher Weise er welche Passagen gesungen haben möchte. Wenn es dann heißt „fein und gehackt“ oder „dann fließt es so weg“, weiß der Gospeltrainer Bescheid…

© trainarchivatorVolle Konzentration

Zum Ende dieses Probenblocks springen wir nun nochmals von einem Lied zum anderen, wiederholen, was wir heute bisher gesungen haben. Es bleibt eine Probe unvollendeter Stücke, denn bei uns heißt es nach einzelnen Passagen immer „sacken lassen“ und schon beschäftigen wir uns mit einem anderen Song; hört sich durcheinander an, funktioniert aber. Bevor es durch unendliche Wiederholungen zum Einschleifen der Details langweilig wird, bekommen wir vom „Chef“ neuen Input. Interessant zu beobachten, wie Chor und GospelTrainer über die Jahre bei der musikalischen Arbeit einen gemeinsamen Stil entwickelt haben, der bei uns am besten funktioniert. Ein dominanter Chorleiter eines absolut disziplinierten Chores würde vielleicht die Hände über dem Kopf zusammen schlagen, doch unsere Truppe möchte auch Spaß haben, gemeinsam lachen; am Ende stimmt das Ergebnis – das zählt!

Die Mittagspause unterbricht die musikalische Arbeit. Wir sitzen entspannt im Speisesaal beim Essen beieinander, müssen uns nicht mehr konzentrieren und dürfen nach Herzenslust quatschen. Bis zum nächsten Probenblock ist noch viel Zeit, die jeder nach seinen Vorlieben verbringt. Der Himmel hat seine Schleusen inzwischen geschlossen und die Sonne kommt heraus. So nutzen viele die Freizeit zu einem Spaziergang. Nach mehreren Stunden Musik tut die Stille des Waldes, der direkt hinter dem Matthias-Claudius-Haus beginnt, den beanspruchten Ohren gut.

© trainarchivatorWaldlichtung erlaubt Blick auf Eversberg

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